Aktuelles aus Oberhausen / Pressemeldung
In der Herz-Jesu-Kirche am Altmarkt nahmen Familie, Freunde und Weggefährten am Montag in einer bewegenden Trauerfeier Abschied von Christoph Schlingensief, einem großen Sohn der Stadt Oberhausen. Er war am 21. August im Alter von 49 Jahren einem Krebsleiden erlegen. Vor über 500 Trauergästen aus ganz Deutschland hielt der scheidende Stadtdechant Dr. Michael Dörnemann das Seelenamt. Helge Schneider verabschiedete seinen Freund mit einem einfühlsamen Medley aus Jazz-Standards.
Schlingensief war in der Herz Jesu getauft worden und hatte hier später zwölf Jahre als Ministrant gedient. Vor zwei Jahren ließ er den Innenraum dieser Kirche bei der Ruhrtriennale für seine Inszenierung „Die Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ in der Gebläsehalle des Landschaftsparks Duisburg-Nord nachbauen. Leben und Tod, Sehnsucht und die Liebe – auch zu Gott – haben das Werk Schlingensiefs nach den Worten Dörnemanns stets geprägt.
Am Trauergottesdienst nahm auch Alt-Bundespräsident Horst Köhler teil, der in seiner Amtszeit das Afrika-Engagement Schlingensiefs persönlich unterstützt hat. Rupert Neudeck, der Gründer der Hilfsorganisation „Cap Anamur“, und die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer zählten ebenso zu den Trauergästen wie die Leiterin der Bayreuther Festspiele, Eva Wagner-Pasquier, die Regisseure Leander Haußmann, Jürgen Flimm, Ulrich Khuon, Alexander Kluge und Frank Castorf, der Schlingensief in den 90er Jahren an die Berliner Volksbühne geholt hatte. Abschied von einem nahmen auch die Autoren Helene Hegemann und Benjamin von Stuckrad-Barre sowie die Schauspieler Martin Wuttke und Sepp Bierbichler sowie Oberhausens Theater-Intendant Peter Carp und sein Vorgänger Klaus Weise.
In einem persönlichen Kondolenzschreiben an Schlingensiefs Ehefrau und Mutter hatte Oberbürgermeister Klaus Wehling sein tiefes Mitgefühl ausgedrückt: „Mit Christoph Schlingensief verliert die Kunstwelt in Deutschland einen ihrer profiliertesten, provokantesten, innovativsten Vordenker und Erneuerer“, so Wehling. Die Beisetzung Schlingensiefs soll Agenturberichten zufolge in Berlin im engsten Familienkreis zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Außerdem planen Freunde und Weggefährten ein „Theaterfest“ als öffentliche Abschiedsfeier.
30. August 2010

